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Natürliche Familienplanung
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Die beim Eisprung (Ovulation) freigesetzte reife Eizelle ist etwa 6 - 24 Stunden befruchtungsfähig. Danach stirbt sie ab. Die Befruchtungsfähigkeit der Spermien wird mit 1 bis max. 7 Tagen angegeben. Das Wissen um diese zeitlich begrenzte Fruchtbarkeit macht man sich bei der natürlichen Familienplanung zu nutze.
Die Natürliche Familienplanung (NFP) beruht darauf, dass Sie Ihren Körper im Laufe des Zyklus sehr genau beobachten, vor allem die Veränderung Ihrer Körpertemperatur und die Beschaffenheit des Schleims im Gebärmutterhals.
Es wurden einige Methoden der Selbstbeobachtung entwickelt, um die fruchtbaren und unfruchtbaren Tage im Menstruationszyklus zu identifizieren: die Knaus-Ogino Methode, die Temperaturmethode, die Billingsmethode und die sympto-thermale Methode.
An den fruchtbaren Tagen darf kein (ungeschützter) Geschlechtsverkehr erfolgen. Deshalb nennt man diese Art der Empfängnisverhütung auch "Periodische Enthaltsamkeit". Es kann an den fruchtbaren Tagen aber auch auf Barrieremethoden zurückgegriffen werden (z.B. chemische Schutzmittel, Kondom, Diaphragma, Portiokappe,).
Alle genannten Methoden beanspruchen einen relativ hohen Zeitaufwand und verlangen viel Disziplin von einem Paar. Mit Verhütungscomputern wird versucht, die natürlichen Methoden etwas anwendungsfreundlicher zu machen.
Knaus-Ogino Methode
Diese Methode (benannt nach H.Knaus und K.Ogino) ist eine relativ komplizierte Berechnungsmethode, mit der die fruchtbaren Tage ermittelt werden.
Eine Frau, die sich dieser Methode bedienen möchte, muss vor Anwendung dieser zunächst ein Jahr lang die Daten ihrer Regelblutungen in einem Regelkalender festhalten.
Die Dauer des kürzesten und längsten Zyklus wird ermittelt und in eine Berechnungsformel eingebracht, die von Frauenärzten nach Analyse vieler Statistiken entwickelt wurde:
Vom kürzesten Regelmonat wird die Zahl 18 abgezogen, z.B.: 27 Tage (kürzester Zyklus) minus 18 Tage = 9 Vom längsten Regelmonat wird die Zahl 11 abgezogen, z.B. 32 Tage (längster Zyklus) minus 11 Tage = 21
In diesem Beispiel wären die Tage vom 9. bis 21. Zyklustag als fruchtbare Tage anzusehen. An diesen Tagen darf kein Geschlechtsverkehr stattfinden oder es müssen andere Methoden der Empfängnisverhütung genutzt werden (z.B. Diaphragma, Portiokappe, chemische Schutzmittel, Kondom).
Die Zuverlässigkeit dieser Methode lässt sich von dem Ausspruch des Gynäkologen Fraenkel „Das einzig Regelmässige am Menstruationszyklus ist seine Unregelmässigkeit“ ableiten und darf als gering eingestuft werden. Es gibt viele Umstände, die den rhythmischen Ablauf beeinflussen und das Datum der Befruchtungsfähigkeit unvorhersehbar machen (natürliche Früh- und Spätovulationen, Stress, Reisen, Klimawechsel, aussergewöhnliche körperliche Belastung).
Temperaturmethode
Die Temperaturmethode (Basaltemperaturmethode) beruht auf der Erkenntnis, dass die Körpertemperatur der Frau im Laufe des Menstruationszyklus hormonbedingten Schwankungen unterliegt.
In der ersten Hälfte des Zyklus (der Phase der Eibläschenreifung) liegt die Körpertemperatur meist unter 37° C. Etwa 2 Tage nach dem Eisprung steigt die Temperatur um 0,3 bis 0,5 Grad höher und bleibt im zweiten Teil des Zyklus (der Gelbkörper-Phase) erhöht. Erst mit dem Eintritt der Regelblutung geht die Körpertemperatur wieder auf den Ausgangswert unter 37° C zurück.
Der Temperaturanstieg wird durch den Gelbkörper ausgelöst, der nach dem Eisprung das Progesteron (Gelbkörperhormon) produziert. Progesteron hat eine direkte Wirkung auf das Temperaturzentrum im Gehirn.
Durch die tägliche Messung der Basaltemperatur wird versucht, den Termin des Eisprungs zu bestimmen. Als Basaltemperatur bezeichnet man die Körpertemperatur, die morgens unmittelbar vor dem Aufstehen sublingual (unter der Zunge), intravaginal (in der Scheide) oder rektal (im After) gemessen wird. Idealerweise erfolgt die Messung immer um die gleiche Uhrzeit. Zur Temperaturmessung sollte ein auf zwei Nachkommastellen genau messendes digitales Fieberthermometer benutzt werden.
Bei sorgfältiger Führung einer Basaltemperaturkurve kann die Frau ihre fruchtbaren und unfruchtbaren Tage identifizieren. Die Methode ist aber nur dann als einigermassen zuverlässig einzustufen, wenn die Temperaturmessung korrekt und regelmässig vorgenommen wird, der Temperaturanstieg eindeutig ist und zum richtigen Zeitpunkt erfolgt, und wenn der ungeschützte Geschlechtsverkehr nur während der sicher unfruchtbaren Phase zwischen dem 3. Tag nach dem Temperaturanstieg und dem Beginn der Menstruation durchgeführt wird. Dies bedeutet, dass ungeschützter Verkehr nur an etwa 10 Tagen des Zyklus möglich ist.
Die Temperaturmethode besitzt höchstens eine mittlere Zuverlässigkeit. Bereits späteres Aufstehen, verkürzte Schlafzeit, körperliche Bewegung vor der Messung oder eine leichte Erkältung können die Messergebnisse verfälschen. Hinzu kommt, dass es auch Frauen gibt, die keine ausgeprägte progesteronbedingte Temperaturänderung zeigen.
Mit Hilfe der Basaltemperaturkurve kann man auch eine Schwangerschaft feststellen oder Zyklusstörungen identifizieren.
Kombiniert man die Temperaturmethode mit der regelmässigen Beobachtung des Zervikalschleims (Billingsmethode), spricht man von der „sympto-thermalen Methode“. Diese ist etwas zuverlässiger.
Billingsmethode
Benannt nach dem Arzt-Ehepaar Billings beruht diese Methode auf der Beobachtung, dass sich der Schleimpfropf im Gebärmutterhals (Zervixschleim) während des Menstruationszyklus verändert und von der Frau beobachtet bzw. mit dem Finger „gefühlt“ werden kann.
- Zu Beginn und am Ende des Zyklus ist der Schleim spärlich, klebrig und undurchsichtig weiss oder gelblich. Er dichtet den Gebärmutterhals ab. Dieser Schleimpfropf lässt Spermien nicht passieren und ist ausserdem ein Schutz vor Krankheitserregern. Eine Befruchtung ist unwahrscheinlich.
- Im Laufe der nächsten Tage wird der Schleim dünner und milchiger. Je näher der Eisprung (und damit die fruchtbaren Tage) rücken, desto durchsichtiger und wässriger wird der Schleim. Eine Befruchtung ist nicht ausgeschlossen.
- 3–4 Tage vor dem Eisprung nimmt die Schleimmenge erheblich zu. Der Schleim ist klar und glatt und lässt sich zwischen den Fingern zu Fäden ausziehen – er wird „spinnbar“. Dies signalisiert, dass Sie fruchtbar sind.
- Nach der Ovulation dickt der Schleim wieder ein. Er wird wieder spärlich, dick, klebrig und undurchsichtig, manchmal auch krümelig. Man nimmt an, dass eine Befruchtung eher unwahrscheinlich ist, wenn der Schleim diese Merkmale über mehrere Tage aufweist. Die Billingsmethode ist als alleinige Verhütungsmethode sehr unzuverlässig. Kombiniert man die Schleimbeobachtung mit der Temperaturmethode, spricht man von der „sympto-thermalen Methode“.
Sympto-thermale Methode
Die sympto-thermale Methode ist die „zuverlässigste“ Form der natürlichen Empfängnisverhütung mit einer immerhin mittleren Zuverlässigkeit. Es handelt sich um die Kombination der Temperaturmethode und der Billingsmethode.
Durch regelmässige tägliche morgendliche Temperaturmessungen und Beobachtung der Konsistenz des vaginalen Schleims soll der Zeitpunkt des Eisprungs und damit die fruchtbaren Tage bestimmt werden.
Tragen Sie die Ergebnisse Ihrer Messungen und Beobachtungen täglich und diszipliniert in eine Tabelle ein.
Während der so identifizierten fruchtbaren Tage muss Enthaltsamkeit geübt oder eine Barriere-Methode benutzt werden (z.B. Diaphragma, Portiokappe, chemische Schutzmittel, Kondom). Wie bei den anderen natürlichen Methoden hängt die Zuverlässigkeit von der korrekten und konsequenten Durchführung und der Abstinenz (oder einem zusätzlichen Schutz wie Kondom) während der fruchtbaren Tage ab.
Informieren Sie sich über die exakte Durchführung der Temperaturmessung und die Billingsmethode bei Ihrer Ärztin/bei Ihrem Arzt.
Verhütungscomputer
Es gibt Minicomputer in Grösse eines Brillenetuis oder einer Zigarettenschachtel, die die Bestimmung der fruchtbaren Tage im Zyklus zuverlässiger und bequemer machen sollen.
Die Geräte arbeiten alle nach ähnlichen Kriterien: Sie speichern die Daten des individuellen Menstruationszyklus elektronisch und berechnen aus den Angaben die fruchtbaren und unfruchtbaren Tage.
Temperaturcomputer
Temperaturcomputer zeichnen die Basaltemperatur auf (durch tägliche Messungen wie bei der Temperatur-Methode), zusätzlich werden die Menstruationstage eingegeben und das Gerät wertet dann die Messungen aus. Ein Licht- oder Tonsignal markiert die fruchtbare und unfruchtbare Zeit. Die Geräte verschiedener Hersteller unterschieden sich primär hinsichtlich der technischen Details, wie Speichergrösse und Display.
Hormontests
„Hormoncomputer“ erfassen mit Hilfe von Teststäbchen die Hormonwerte im ersten Morgenurin. Gemessen werden das weibliche Sexualhormon Östrogen und das Hypophysenhormon LH, das in der Zyklusmitte die Ovulation auslöst. Beide Hormone werden an den fruchtbaren Tagen in hoher Konzentration ausgeschieden. Der Hormoncomputer wertet das Ergebnis der Urintests aus und zeigt mit farbigen Lichtern an, ob ein Schwangerschaftsrisiko besteht.
Der Hormoncomputer kann nur von Frauen mit einer Zykluslänge zwischen 23 und 35 Tagen angewendet werden. Für einige Frauen eignet sich der Computer nicht.
Hersteller geben die Zuverlässigkeit der Hormoncomputer mit 94 Prozent an. Da die Geräte aber auf dem gleichen Prinzip beruhen wie die erweiterte Temperatur-Methode, hängt die Wirksamkeit in gleichem Masse von der konsequenten Einhaltung der Vorgaben und der Disziplin der Frau bzw. des Paares ab.
Hormoncomputer sind nicht geeignet, wenn
- eine Schwangerschaft aus medizinischen oder sonstigen Gründen inakzeptabel ist
- Sie sich nicht an die genauen Mess-Termine halten können
- Sie sich einer Hormonbehandlung oder sonstigen Behandlungen unterziehen, die Ihren Zyklus beeinflussen können
- Sie zur Zeit ein Kind stillen-Sie Wechseljahrsymptome haben
- Ihre Leber- oder Nierenfunktion beeinträchtigt ist
- Sie an einer bestimmten Erkrankung der Eierstöcke leiden
- Sie Antibiotika einnehmen, die Tetrazykline als wirksame Bestandteile enthalten. Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob ein Arzneimittel, das Sie einnehmen, Tetrazykline enthält, fragen Sie Ihre Ärztin/Ihren Arzt oder Apothekerin/Apotheker.
Mit der Anwendung von Hormoncomputern muss gewartet werden, wenn Sie bislang eine hormonelle Verhütungsmethode (z.B. Pille, Hormonspirale (Intrauterin-System, IUS), Hormonimplantat, 3-Monatsspritze) angewendet oder sich einer anderen Hormonbehandlung (z.B. fruchtbarkeitsfördernde Arzneimittel, Pille danach) unterzogen haben. In diesen Fällen müssen Sie die Behandlung wie von Ihrem Arzt vorgeschrieben beenden und dann abwarten, bis sich Ihr Zyklus normalisiert hat. Das heisst, Sie müssen mindestens zwei natürliche, aufeinanderfolgende Zyklen von 23 bis 35 Tagen gehabt haben, bevor Sie einen Hormoncomputer nutzen können. Das gleiche gilt, wenn Sie vor kurzem schwanger waren (auch wenn die Schwangerschaft nicht ausgetragen wurde) oder gestillt haben.
Vor- und Nachteile natürlicher Familienplanung (NFP)
Vorteile der NFP
Der Vorteil der natürlichen Methoden ist, dass sie das Bewusstsein über die zyklischen Prozesse im Körper der Frau fördern und keinen „Eingriff“ in den natürlichen Ablauf darstellen. Sie eignen sich für Frauen, die zuverlässigere Methoden wie z.B. die Pille oder das Kondom ablehnen.
Nachteile der NFP
Für Frauen mit einem unregelmässigen Zyklus und Anspruch auf eine zuverlässige, unkomplizierte Verhütung sind diese Methoden eher nicht geeignet.
Die Knaus-Ogino Methode, die Billingsmethode und die Temperatur-Methode haben den Nachteil, dass sie Zyklusschwankungen nicht gerecht werden können. Es gibt im Alltag viele Umstände, die die Rhythmik des Menstruationszyklus beeinflussen können und die eine zuverlässige Berechnung der fruchtbaren und unfruchtbaren Tage unmöglich machen. Dazu gehören Stress, Schlafmangel, aussergewöhnliche körperliche Belastungen oder Erkrankungen.
Die gleichzeitige Anwendung von Billings- und Temperaturmethode (sympto-thermaler Methode) bietet bei richtiger Handhabung einen mittleren Empfängnisschutz, unterliegt aber im Prinzip den gleichen Einschränkungen. Alle natürlichen Methoden der Familienplanung verlangen einen relativ grossen Zeitaufwand, ein hohes Mass an Disziplin und einen geregelten Tagesablauf.
Sie haben ferner den Nachteil, dass sie der Spontaneität des Liebeslebens keinen Raum lassen und der Geschlechtsverkehr nach Zeitplan erfolgen muss.
Wenn Sie Arzneimittel nehmen, die den Zyklus beeinflussen (z.B. Hormontherapie in den Wechseljahren) oder bestimmte Erkrankungen der Eierstöcke haben (polyzystisches Ovarialsyndrom), können Sie ebenfalls keine natürlichen Methoden der Empfängnisverhütung anwenden.
Auch Frauen mit starken beruflichen Belastungen (z.B. Schichtdienst) oder vielen Dienstreisen sollten andere Methoden der Empfängnisverhütung wählen.
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