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Stillen und zuverlässig verhüten

Nach der Geburt eines Kindes ändert sich das Leben der ganzen Familie, insbesondere das der Mutter. Gerade in der Anfangszeit beansprucht sie der Säugling stark. Die Zeit ist häufig knapp, Themen wie Verhütung geraten in Vergessenheit. Dennoch besteht bereits drei Wochen nach der Geburt des Kindes die Möglichkeit eines Eisprungs, und somit die Möglichkeit schwanger zu werden. Das auch wenn die Periode noch nicht eingetreten ist. Gerade in dieser Zeit ist es für die Mutter angenehm, eine Verhütungsmethode zu wählen.

Wenn Mütter stillen, gelten besondere Regeln, was die Wahl der Verhütungsmethode angeht. So ist insbesondere darauf zu achten, dass der Säugling durch die Verhütungsmethode nicht belastet wird, und die Milch sowohl in ihrer Menge und Beschaffenheit nicht verändert wird. Falls Hormone verwendet werden, sollten nur Verhütungsmethoden zum Einsatz kommen, die nur ein Gestagen (Gelbkörperhormon) enthalten. Dieses geht nur in geringen Mengen in die Muttermilch über, für den Säugling besteht nach heutigem Wissensstand kein Gesundheitsrisiko.




Nicht hormonelle Methoden

An erster Stelle der nicht hormonellen Methoden stehen Barrieremethoden, wie zum Beispiel das Kondom oder das Diaphragma. Bei dem Diaphragma gilt zu beachten, dass ca. 3 Monate nach der Geburt ein Neues angepasst werden sollte, falls ein Solches vor der Schwangerschaft schon verwendet wurde. Denn durch die Schwangerschaft und die Geburt kann sich die Scheide verändert haben, dies übrigens auch nach einem Kaiserschnitt. Auch chemische Mittel wie z.B. Scheidenzäpfchen können verwendet werden. Die Zuverlässigkeit aller dieser Methoden wird jedoch als mittelmässig eingestuft.

Als Verhütungsmethode gänzlich ungeeignet während der Stillzeit ist die Schleimbeobachtung, die Temperaturmessmethode oder die Bestimmung der fruchtbaren und unfruchtbaren Tage mit einem Zyklus-Computer. Grund: Die Körpertemperatur während der Stillzeit bleibt immer gleich hoch und die Menstruation bleibt aus. Auch die Kalendermethode (nach Knaus-Ogino) und der Coitus interruptus (Zurückziehen vor dem Samenerguss) bieten wenig bis keine Zuverlässigkeit.
Die nicht hormonellen Methoden sind auf jeden Fall nicht so zuverlässig wie hormonelle Methoden. Einzig die Sterilisation und die Kupferspirale sind sehr zuverlässig. Die Sterilisation ist jedoch eine operative Methode und entsprechend mit Risiken verbunden. Darüber hinaus ist diese nur sehr schwierig rückgängig zu machen. Es ist daher wichtig, sich diesen Schritt vorher genau zu überlegen. Frauen sollten bedenken, dass sich Ihre Lebenssituation auch unvorhergesehen verändern und der Kinderwunsch auch nach abgeschlossener Familienplanung wieder aufflackern kann. Lassen Sie und Ihr Partner sich auf jeden Fall ausgiebig von einer Ärztin einem Arzt beraten und informieren.

Die Kupferspirale wird auch als sehr zuverlässig eingestuft. Die Wirkungsweise der Kupferspirale ist nicht genau bekannt. Es wird angenommen, dass das Kupfer in der Spirale eine lokale Entzündung in der Gebärmutter hervorruft und die Spermien abgetötet werden. Die Kupferspirale kann bis zu 5 Jahre wirken. Nicht selten klagen Frauen über eine verstärkte Periode. Gewisse Frauen müssen die Kupferspirale wegen zu starker Blutung oder zu starken Schmerzen wieder entfernen. Vor allem im Zusammenhang mit der Einlage können auch Unterleibsentzündungen vorkommen, dieses Risiko ist insbesondere bei Frauen erhöht, die in wechselnden Partnerschaften leben und noch nicht geboren haben.




Hormonelle Methoden

Während der Stillzeit können nur Methoden verwendet werden, die ausschliesslich ein Gestagen (Gelbkörperhormon) beinhalten. Dieses geht nur in geringen Mengen in die Muttermilch über. Nach heutigem Wissensstand besteht für den Säugling kein Gesundheitsrisiko. Die Mini-Pille muss täglich zu einer bestimmten Zeit eingenommen werden. Die Einnahme muss auf drei Stunden genau erfolgen, sonst ist die Zuverlässigkeit nicht mehr gewährleistet. Eine häufige Nebenwirkung der Minipille sind die Zyklusstörungen (d.h. unregelmässige Blutungen), die bei einem Teil der Anwenderinnen vorkommen. Der Zyklus normalisiert sich allerdings in den meisten Fällen wieder nach mehrmonatiger Anwendung.

Eine weitere Methode der Empfängnisverhütung ist die Dreimonatsspritze. Diese enthält ein langwirkendes Gestagen, das alle drei Monate in den Gesässmuskel gespritzt wird. Sie bietet eine sehr hohe Zuverlässigkeit. Wie bei allen hormonalen Kontrazeptiva kann es anfänglich zu leichten Beschwerden wie Übelkeit, Kopfschmerzen oder Spannungsgefühlen in den Brüsten kommen. Nach Absetzen der Dreimonatsspritze kann es mehrere Monate dauern, bis sich wieder ein normaler Zyklus einstellt. Die Zuverlässigkeit wird auch nicht durch Einnahmefehler, wie sie potentiell bei der Mini-Pille vorkommen, und Erbrechen und Durchfall beeinträchtigt.

In Frage kommt auch das Hormonimplantat. Dieses ist ein Stäbchen welches über einen Hautschnitt an der Innenseite des Oberarms eingelegt wird. Das Hormonimplantat wird als zuverlässige Methode eingestuft und wirkt bis zu drei Jahre. Nach Ablauf der Liegedauer muss es über einen kleinen Eingriff wieder entfernt werden. Das Hormonimplantat gibt Gestagen (Gelbkörperhormon) in das umgebende Gewebe ab und gelangt so in die Blutbahn. Häufige Nebenerscheinungen sind Akne, Brustspannen und Gewichtszunahme.

Einen zuverlässigen Schutz bis zu 5 Jahre bietet die Hormonspirale (Intrauterin-System IUS). Der ca. 3cm grosse Plastikkörper der Spirale gibt kontinuierlich minimale Mengen des Gestagens (Gelbkörperhormons) in die Gebärmutter ab. Die Hormonspiegel im Blut liegen tiefer als mit anderen hormonellen Verhütungsmethoden. Sie können Ihr Kind also bedenkenlos stillen, Menge und Beschaffenheit der Muttermilch werden durch die Hormonspirale (Intrauterin-System IUS) nicht beeinflusst. Da der Eisprung zumeist erhalten bleibt, wird die Fertilität nicht beeinträchtigt. Nach Entfernen des Intrauterin-Systems (IUS) ist im nächsten Zyklus eine Schwangerschaft möglich. Häufige Nebenwirkungen nach Einlage sind Zwischenblutungen und Unterbauchbeschwerden, welche meist im weiteren Verlauf abklingen. Die Einlage der Hormonspirale (Intrauterin-System IUS) erfolgt durch eine Ärztin/einen Arzt und kann 6 Wochen (12 Wochen nach Kaiserschnitt) nach der Entbindung vorgenommen werden.



-> Mehr zur Minipille
-> Mehr zur Hormonspirale (Intrauterin-System IUS)
-> Mehr zur Dreimonatsspritze
-> Mehr zum Hormonimplantat