Die hormonellen Verhütungsmethoden - alles auf einen Blick

Mit oder ohne Östrogen - der Arzt hilft weiter

Bereits 1936 haben Forscher festgestellt, dass das weibliche Sexualhormon Gestagen primär für die verhütende Wirkung verantwortlich ist. Heute enthält ein Grossteil der in der Schweiz erhältlichen Verhütungspräparate sowohl Gestagen als auch Östrogen. Man spricht von kombinierten hormonellen Verhütungsmethoden.

Der Unterschied von Gestagen-Monopräparaten (ohne Östrogen) zu kombinierten hormonellen Präparaten zeigt sich hauptsächlich im Blutungsmuster. Bei Gestagen- Monopräparaten treten Blutungsunregelmässigkeiten (Zwischenblutungen oder das vollständige Ausbleiben der Blutungen) meist häufiger auf.

Im Gegensatz zu kombinierten hormonellen Präparaten werden östrogenfreie Verhütungsmethoden täglich und ohne Pause angewendet. Nur so kann eine zuverlässige Verhütung gewährleistet werden.

Welches Präparat für die aktuelle Lebenssituation am besten geeignet ist, wird im gemeinsamen Gespräch mit dem Arzt ermittelt. Dabei spielen Sicherheit, Art der Anwendung, allfällige therapeutische Zusatznutzen und gesundheitliche Aspekte eine wichtige Rolle.

Kontrazeption Therapeutische Indikationen
Anwendung/Einnahme Junge Frauen, die erst später an Kinder denken möchten In der Stillzeit Zwischen 2 Kindern Abgeschlossene Familienplanung (Frauen ab 40 Jahren) Frauen mit übermässig starker Blutung / in der Prämenopause
Täglich Pille Pille Pille Pille Kombinierte Pille (grau)
Gestagen-Pille (weiss)
Wöchentlich Hormonpflaster Hormonpflaster Hormonpflaster Hormonpflaster
Monatlich Vaginalring Vaginalring Vaginalring Vaginalring
Quartalsweise Hormonspritze Hormonspritze Hormonspritze Hormonspritze Hormonspritze
3-jährlich IUS für 3 Jahre Hormonimplantat IUS für 3 Jahre Hormonimplantat IUS für 3 Jahre Hormonimplantat IUS für 3 Jahre Hormonimplantat IUS für 3 Jahre Hormonimplantat
5-jährlich IUS für 5 Jahre IUS für 5 Jahre IUS für 5 Jahre IUS für 5 Jahre IUS für 5 Jahre IUS für 5 Jahre

Der Einsatz ist gegenüber anderen Verhütungsmethoden abzuwägen.

Swissmedic Schweizerisches Heilmittelinstitut, www.swissmedic.ch.
WHO, Medical eligibility criteria for contraceptive use. 4. Auflage, 2009.

Kombinierte hormonelle Methoden

  • Pille
  • Vaginalring
  • Hormonpflaster

Gestagen-Monopräparate

  • Gestagen-Pille
  • Hormonspritze
  • Hormonimplantat
  • IUS (Intrauterinsystem = Hormonspirale)

Bieten hormonelle Verhütungsmethoden Schutz vor sexuell übertragbaren Erkrankungen?

Nein. Der einzige wirksame Schutz vor einer Infektion mit sexuell übertragbaren Erregern (Herpes, Syphilis, Gonorrhoe [Tripper], Hepatitis, Chlamydien, Humanes Papillomavirus [HPV]) ist die Verwendung eines Kondoms.

Ab welchem Alter kann eine Frau hormonell verhüten?

Grundsätzlich werden hormonelle Verhütungspräparate nicht vor dem Auftreten der ersten Regelblutung verschrieben. Wichtig ist, dass der erste Arztbesuch vor dem ersten sexuellen Kontakt stattfindet.

Sind alle hormonellen Verhütungsmethoden rezeptpflichtig?

Alle hormonellen Verhütungsmittel sind rezeptpflichtig und müssen deshalb vom Arzt verschrieben werden. Wenn eine junge Frau ohne das Wissen der Eltern zu einem Arzt geht, unterliegt die Beratung der Schweigepflicht. Wichtig ist es in so einer Situation, die ärztliche Rechnungsstellung anzusprechen, damit die Eltern nicht auf dem Postweg von der Verhütung erfahren.

In diesen Fällen muss ein Arzt aufgesucht werden:

Oft findet eine Frau nicht auf Anhieb die für sie optimale Methode; auch können die Ansprüche an die Verhütung je nach Lebenssituation ändern. Zudem können Beschwerden ein Grund dafür sein, dass ein Wechsel des Präparates sinnvoll ist, wie z. B.:

  • Unverträglichkeit
  • Kopfschmerzen
  • Brustspannen
  • Gewichtszunahme
  • Veränderte Stimmungslage
  • Veränderung des sexuellen Verlangens
  • Unerwünschte Hautveränderungen
  • Medizinisch abgeklärte Durchbruchblutungen (Zwischenblutungen)
  • Wenn der Wunsch nach einer anderen Verhütung aufkommt, lohnt es sich, dies beim Arzt anzusprechen und sich über Alternativen beraten zu lassen.